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freddy krueger reisen

Denn das wächst sowieso wieder nach!

 
  mit Pius Conrad   »Hallali, auf zur Jagd!«, so ertönt die Aufforderung zum Sport der Könige. Ich fühlte mich nicht gerade wie ein König, als ich in dieser grauen Schlammpfütze saß, in der einen Hand ein Gewehr, in der anderen ein WalkieTalkie.

Ich erwartete, ganz in Camouflage, dass im nächsten Moment kleine gelbe Männer mit Reishüten aus den Büschen stürzten und mich gefangen nehmen – das passiert dann aber doch nicht. Dabei hatte ich mich schon so sehr auf Reis mit Maden gefreut. Den wird es auch geben, wenn wir nicht bald etwas vor die Flinte bekommen.

Zwei Freunde wollten mich unbedingt auf ihre Jagdhütte mitnehmen, und ich, von welchem Bösen auch immer behüpft, willigte ein. So kam es, dass ausgerechnet ich, in einem schleimig-grünen Erdloch sitzend auf ein Opfer warten muss. Plötzlich raschelt es in den Büschen vor mir und ich, mit Waldmeister-Ehrgeiz, gebe drei Schüsse ab. Die Schüsse haben eine Wucht, die mich nach dem zweiten Mal Feuern im Giftsumach landen lässt – ich sehe aus wie im Abwasserkanal gebadet.

Jetzt ist mir das aber egal, da ich mir sicher bin, auch wenn meine Beute nur ein Bundesheersoldat sein sollte, würde ich zum Jägermeister (nicht der in Flaschen) des Wochenendes erklärt werden.

Ich mache mich auf den Weg aus meinem Schützengraben, um nachzusehen, was wohl meine Beute sein mag. Zu meiner Schande entdecke ich, es ist weder ein Reh, noch ein Hase, ja nicht einmal ein Bundesheersoldat, nein, ein Laubfrosch ist mir vor die Flinte geraten. Ohne Rücksicht auf Verluste beginne ich wild um mich zu schiessen und leere das ganze Magazin – irgend etwas besseres als den Laubfrosch werde ich schon treffen. Das Magazin ist leer, und einer meiner Jagdgefährten verlässt seine Deckung im Gebüsch und meint: »Du brauchst nicht so viel wegzuschiessen, denn das wächst sowieso wieder nach.« Eine Wahrheit für fast alle Fälle.
 
         
   

zu Frau Meier

 
    Vormittag, sie wackelt die Straße entlang. Frau Meier kehrt vom Einkaufen zurück.
Ihre von Stützstrümpfen umklammerten Beine heben sich langsam. Frau Meier, die auch sonst nicht gerade als Sonnenschein bekannt ist, schnauzt heute besonders viele Leute an.

Wenn sie in der Straßenbahn keinen Platz bekommt, beschwert sie sich über die Jugend von heute, die ihr den Platz wegnimmt. Wenn sie einem Volksschulkind ein Bein stellt, damit es im Dreck landet, verzieht sich ihr schmaler Mund, der umrandet ist mit blutleeren Lippen, zu einem gehässigen zahnlosen Lächeln.
Alle Falten in ihrem zerfurchten Gesicht heben sich und aus ihrem Mund dringt ein schrill pfeifender Ton, der den Klang von Lachen imitieren will. Ihr Mund ist zahnlos, weil sie zu stolz ist, um zum Zahnarzt zu gehen.

Ihre ehemals jugendliche Pracht und Fülle werden nun unter einem langen Bauernkleid mit Schurz versteckt, da sie dem Alter und den Falten gewichen sind.

So geht sie dahin, die gute Frau Meier, dem Altersheim entgegen. Sie hasst das Altersheim. Obwohl sie dort lebt, geht sie jeden Tag einkaufen. Auch bei ihr stellt sich geistige Verwirrung ein. Sie sagt, das sei auf das nach Tod riechende Altersheim zurückzuführen.

Frau Meier ist sehr verbittert, da sie ihre Kinder und Enkelkinder, seit sie sie in das Altersheim gesteckt haben, nicht mehr gesehen hat. Ihr Mann starb vor drei Jahren, kurz darauf wurde sie selbst ins Altersheim verfrachtet. Seitdem verbringt sie ihre Tage damit, einzukaufen und aus dem Fenster zu sehen. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist es, ihren Pfleger, während sie am Fenster steht, mit ihrem Stock zu schlagen.

Von ihr ebenso gehasst wie Kinder, sind Fernsehen und Radio, da sie denkt, damit würde der Teufel ihre Seele stehlen. Diese Wahnvorstellungen sind Produkt der Erziehung in einer streng katholischen Mädchenschule. Der einzige Ort, an dem Frau Herlinde Meier wirklich glücklich ist, ist die Kirche. jeden Samstag, wenn Pfarrer Kleinhans seine Messe hält, blüht sie richtig auf.

Sie hält sich streng an alle Gebote, außer vielleicht »Liebe deinen Nächsten« und sie verachtet alles, was aus ihrer Sicht ketzerisch ist. Wenn der Papst im Fernsehen kommt, schaltet sie sogar den Fernseher ein. Ihr größter Traum war immer schon eine Reise nach Rom zum Papst, doch da sie Flugzeuge für Teufelswerk hält und nicht Autofahren kann, hat sich ihr Traum nie verwirklicht.

Sie hasst neben Ausländern auch Kindern, aber am meisten hasst sie ausländische Kinder. Das Einzige, was Frau Meier an Liebe erinnernde Gefühle entlockt, ist der Katholizismus.

Da wackelt sie hin, ihrem bescheidenen Zimmer im Altersheim entgegen. Eine alte Frau, die nichts mehr hat, außer ihren Glauben.
 
     
   

Ballermann

 

 

 

 

 

freddy krueger Hallo, guten Tag und Aloha
meine Damen und Herren!

Pius Conrad für Freddy Krueger Reisen:
Diese Woche teste ich den Ballermann auf seine Familientauglichkeit, denn ich und meine Familie repräsentieren sprichwörtlich die »neue Mitte«: Mittelgroß, mittelblond, mittellos.
Bei Freddy Krueger Reisen gibt's nämlich super günstige Angebote für Leute wie mich.

Schon die Anreise war eine mittlere Katastrophe, die fast im Mittelmeer geendet hätte. Aber der Ballermann ist von der Sicherheitsseite her betrachtet voll unser Ding. Keine Übergabe von illegalen Substanzen oder Schwarzgeld auf den Straßen. Wenn es eine Übergabe gibt, dann sind wir es, die sich übergeben, denn Sangria kann auch schon eine ganz schön illegale Substanz sein – HA,HA.
Also Leute, packt den Jägermeister ein.

Das Freizeitangebot ist ziemlich dürftig und damit genau auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten, denn in der Mitte ist es eng: Sangria aus dem Kübel, deutscher Funk, Schaumbaddisco mit Stahlgewitter.

Mittelmaß am Mittelmeer, so wie wir es lieben.

Wenn ich Fazit ziehe, kann ich durchaus zugestehen – im Brustton der Überzeugung und in aller Klarheit, die beim Thema Urlaub angebracht ist und die allein schon die Ehre gebietet, der Ballermann ist das ideale Familienurlaubsziel.

Mit einem Ticket von Krueger Reisen in der Tasche und damit am rechten Platz, wird das Haushaltsbudget nicht überbelastet und es ist somit der Persilschein für einen unvergesslichen Urlaub für Vati, Mutti und die kids.
Denn wir haben die Zukunft nur von unseren Kindern gepachtet!

Ihr Pius Conrad