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liebling
des monats |
Ödipale
Nostalgie beim Ausgehen
oder die Unfähigkeit etwas Eigenes zu schaffen |
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Das legendäre 70er-Clubbing mit der besten Musik der goldenen
Ära! Supergünstige Getränkepreise: Bier, Spritzer,
Kurze um nur 1,70 Euro!
(Werbung für eine
70er X-MAS Party) |
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Es ist Samstagabend. Doch
nicht irgendein Samstagabend, nein, ein besonderer Samstagabend.
Das merkt man daran, dass Jugendliche bekleidet mit grellem Fummel,
der als »in« bezeichnet wird, Richtung Hafen pilgern.
Warum die Partypilger sich in Richtung Innsbrucks größtem
Veranstaltungszentrum begeben?
Dort können sie ihre spätödipalen Neigungen jugendgerecht
und popkulturell korrekt bei einer Party 70's ausleben. Dort können
sie der Liebe zu ihren Eltern materiell Ausdruck verleihen: Die
textiteln und akustischen Symbole der Jugend der Alten erlangen
so Kult-Status.
Ein Ödipus-Komplex, der sich also nicht durch körperliches
Verlangen nach einem Elternteil manifestiert, sondern durch den
Wunsch, in ihre Zeit zurückzukehren und sich so zu werden wie
sie waren: Ich will nicht nur einen Elternteil körperlich besitzen,
sondern gehe einen Schritt weiter und will dadurch, dass ich »seine«
Zeit und seine damalige Pop- und Unterhaltungskultur für mich
beanspruche, ihn ganz in Besitz nehmen – ein Ödipus-Komplex
für Fortgeschrittene (Richtung: backwards).
Doch ganz so weit geht der durchschnittliche Party-70’s-Besucher
am Ende doch nicht. Er wagt es zwar, Kleidung und Musik seiner Eltern
zu beanspruchen, aber nicht ihre Rauschmittel. In den 70’er
Jahren war die Zeit der psychodelischen Drogen vorbei und der Discobesucher
nahm die neue Modedroge Kokain. Die meisten der Partypilger halten
sich an das »cocain for the poor« (von der Wirkung her
gesehen): minderwertiger Alkohol in Form von Schankmixgetränken,
zu Preisen verkauft, die nur dann dem Preis-Leistungsverhältnis
entsprechen, wenn die Leistung darin bestehen soll, möglichst
schnell drunken zu werden. Jemand, der Alkohol genießen will
und Stil hat, würde niemals zu Getränken wie Cola-Rum
oder Wodka-Bull greifen, geschweige denn zum Bier im Pappbecher.
Doch wessen Ziel es ist, nur schnell berauscht zu sein, dem fehlt
die Erfahrung, dass Alkohol ein Genuss sein kann.
Die meisten Leute, die die Party 70’s besuchen, leiden ohnehin
an dem Defizit, das die gesamte Popkultur heute auszeichnet: die
Unfähigkeit zu Neuem, zu Eigenem.
Nach den 50’ern, die Rock’n’Roll hervorbrachten,
den Hippies in den 60’ern, Disco und Punk in den 70’ern,
den 80’ern mit MTV und dem Zynismus und New-Age in den 90’ern,
sind wir nun gezwungen uns mit Musik abzugeben, die entweder oft
von gecasteten Retortenbands (DSDS), von sexistischen HipHop’ern
oder von bärtigen, grölenden Metalern gemacht wird.
Nichts Neues also.
Diese Entwicklung führt uns wieder einmal die wahren Gefahren
des Fernsehens drastisch vor Augen: Nicht die Gewaltwelle, sondern
die gewaltige Retrowelle wurde nicht zuletzt durch Sendungen wie
»Die besten Hits der 80’er« forciert.
Der Mix von spätödipalen Anwandlungen und der Unfähigkeit
zu Neuem führt offensichtlich dazu, dass Veranstaltungen wie
die Party 70’s Erfolg haben und besucht werden.
Wir werden noch sehen, ob dieses Jahrzehnt wirklich als das der
Nostalgie und als das von Wickie, Slime und Piper (ins Leben gerufen
von Johannes Breit dem anderen) am Samstagabend in die Popgeschichte
eingehen wird.
Mit einem fröhlich gesungenen »Nightfever, Nightfever!«
wünsche ich allen Lesern:
»Gute Nacht!«
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Aufklärung
auf Urlaub
oder Kant im Club |
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Wie kann man als Durchschnittsurlauber
zurück durch die Zeit reisen?
Ganz einfach! Man muss nur Urlaub in einem Club Med all inclusive
machen. Dort erlebt man die zeit vor der Aufklärung und die selbstverschuldete
Unmündigkeit live und in Farbe.
Sie fragen sich sicher: Wieso selbstverschuldete Unmündigkeit?
Selbstverschuldet kann hier in einem doppelten Sinn gelesen werden:
Einerseits kausal, da jeder Mensch, der die Bürde eines Cluburlaubs
auf sich nimmt, gleichzeitig auch die Schuld an seiner Unmündigkeit
auf sich nimmt.
Andererseits kann »selbstverschuldet« finanziell gelesen
werden, denn jeder, der für seinen Urlaub einen Kredit aufnimmt,
verschuldet sich dafür, in die Unmündigkeit zurückzukehren.
Auch gilt zu klären, warum man während eines Cluburlaubs
unmündig sein sollte.
Kant schreibt, Unmündigkeit bedeutet, dass ein Mensch nicht für
sich selbst denkt, sondern andere für ihn denken und ihm sein
Leben diktieren lässt. Diese Definition führt uns zu den
Gründen der Unmündigkeit im Urlaub:
Urlaubsclubs sind in ihrem Aufbau und ihrer Organisation so angelegt,
dass das mündige, autonome Subjekt immer in Abhängigkeit
eines Animateurs oder einer Gruppe steht, was vom Gemeinwesen (Club)
sanktioniert ist, wenn nicht gar forciert wird.
Ad Gruppe:
Schon die Architektur der Clubs ist darauf ausgerichtet, zu verhindern,
dass ein Urlauber jemals allein ist. Man wird zum heteronomen Subjekt,
da man jede Tätigkeit in einer Gruppe verrichtet. In einem Familienclub
ist man dazu genötigt mehr Zeit mit seinen Lieben zu verbringen,
als das ganze restliche Jahr und der Sinn von Singleclubs ist per
Definition das Finden einer Person mit der man seine Zeit verbringt.
Im Gegensatz zur herkömmlichen Individualität, entwickeln
Urlauber eben jene nicht in Kontrast zur Masse, sondern in der Masse.
Bewiesen wird dies durch die Aussagen jedes Heimkehrers, der glaubt,
er allein und nur er habe den schönsten und, gäbe es einen
Superlativ von »individuell«, individuellsten Urlaub erlebt.
Dieser Irrglaube ist das Werk des Animateurs.
Dieser erfüllt gleich mehrere Aufgaben. Er fungiert als denkendes
Element, das den jetzt heteronomen Subjekten ihren Tagesablauf vorgibt
und ihnen ihr Vergnügen diktiert. Diktiert deshalb, da vorgeschrieben
wird, was Spaß macht.
Zum Beispiel würde es keinen geistig gesunden Menschen außerhalb
eines Clubs Spaß machen, stündlich den Ententanz zu exerzieren.
Auch ist der Animateur ein Helfer in zweierlei Hinsicht. Er hilft
dem Urlauber zu regretieren, denn sich freiwillig in diese Art der
Unmündigkeit zu begeben, ist nichts anderes als der Wunsch in
ein Stadium zurückzukehren, das ein Erwachsener als das eines
Kleinkindes bezeichnet, Regression also.
Der Animateur übt seine Macht meist auf so subtile Weise aus,
dass sie als Unterwürfigkeit verstanden wird. Dies hilft den
Urlaubern beim Ausleben ihrer feudalen Fantasien und Wünsche.
Endlich jemand der »meine Höherwertigkeit« erkennt
und mich dementsprechend behandelt, scheint der Gedanke vieler Urlauber
zu sein, wenn sie von den Animateuren unterhalten werden, wie früher
Könige von Hofnarren unterhalten wurden.
Dieser Gedanke und das zugehörige Gefühl ist zuträglich
für die wichtigste Aufgabe des Animateurs: Verkaufen!
Das Verkaufen von einer Illusion, die auf der vermeintlichen Erfahrung
eines schönen Urlaubs beruht.
Da, wie Kant schon festgestellt hat, Erkenntnis niemals über
Erfahrung hinausgeht, führt die trügerische Erfahrung, dass
ich, als Urlauber, König bin und sich die Clubwelt sich nur um
mich, und nicht auch noch um die anderen Urlauber dort dreht, natürlich
zu der Erkenntnis, individuell den schönsten Urlaub gehabt zu
haben.
Viel Spaß und ich hoffe sie vermeiden diese Art von Urlaub
Auf bald! |
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State
and Main over Hamburger Hill
oder in 61 Filmtiteln zum Schaffot |
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Damals, When we were Kings
in Dogville packte ich 40 Gewehre und die Guns of Navarone ein und
beschloss mit Von Ryan’s Express in die offene Stadt Rom zu
meinem Dreckigen Dutzend im Steinernen Garten zu ziehen. Dort angekommen
bestaunten wir die jungen Löwen in ihren gesprengten Ketten.
Als ich gerade die Brücke von Remagen, die im Schatten des
Giganten steht, betrat, wurde ich zum Botschafter der Angst erkoren
und zwar von General Patton, der damit nach dem Urteil von Nürnbrg
handelte.
Ich war nun Teil des Unternehmen Seeadler. Honkytonk Man und ich
waren dazu eingeteilt, die U23 – Tödliche Fracht von
21 Gramm Pendulum auf das Duell im Atlantik vorzubereiten. Nach
jenem verdammten Sonntag sollten wir weiter nach Casablanca, das
zwischen Himmel und Hölle lag. Es würde der längste
Tag werden.
Wir begaben uns also auf die Wege zum Ruhm in das Appartement. Dort
warteten mein Vetter Winni und Harry, der sich gerade im verflixten
7. Jahr befand, auf das seltsame Paar, Honkytonk Man und mich. Harry
war ausser sich als er von unserem Vorhaben erfuhr. Er sagte:»Naja,
manche mögens heiß. Aber zieht mit vierzig Wagen westwärts
und habt ihr dort die Chance, dann take the money and run!«.
Es folgte – um den Untergang zu vermeiden – ein Abschied
in der Nacht. Ich rannte wie der Marathon Mann bis ich außer
Atem war. Den Terminal erreichten wir als die fünfte Offensive
startete und wir begriffen plötzlich, dass wir nur noch 48
Stunden hatten, um from here to eternity zu kommen. Ansonsten wären
wir mit den Marx Brothers im Krieg.
Um diese Höllentour durchzuziehen, trafen wir den Wild Bunch
an der Nachttanke. Doch als ich dort (where the money is) durch
das geheime Fenster zum Hof blickte, entdeckte ich Frankie und seine
Spießgesellen, die auf der Spur des Falken waren und From
dusk till dawn warteten.
Ich wünschte es wäre ein Tag wie jeder andere, doch nun
bekamen wir den Lohn der Angst. Ich griff also nach dem schmutzigen
Lorbeer und flüchtete hinaus in die Nacht des Jägers.
Besser gehts nicht
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Integration
in die Gesellschaft oder
Heavy Metal auf dem Lande |
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Fast jeder, der schon einmal
das Tiroler Oberland besucht hat, kennt das Phänomen:
Ein wunderschönes kleines Dorf, ländliche Idylle, doch
was erblickt man auf dem Dorfplatz? Drei oder vier schwarz gekleidete
Jugendliche mit langen Haaren und Dosenbier am Dorfbrunnen komplettieren
das durchaus idyllische Bilderbuchambiente.
Sieht man die deklarierten Metaler (mit »Metaler« meine
ich nicht die von der IG-Metall – sondern die von der IG-Heavy
Metal), fühlt man sich um 30 Jahre zurückversetzt und
denkt daran, dass es Jugendlichen ein Anliegen war zu provozieren.
Doch siehe da, am nächsten Sonntag-Vormittag hat sich einer
dieser »Wilden« inmitten in die örtliche Musikkapelle
eingereiht, in regionale Tracht gewandet und die lange Mähne
züchtig zu einem Rossschwanz arrangiert, Marschmusik aus seinem
Instrument blasend!
Ein Widerspruch? – Nein. Zuerst möchte ich versuchen
eine Erklärung dafür zu finden, warum sich das Phänomen
»Heavy Metal« in ländlichen Gebirgsregionen seit
Jahrzehnten bei männlichen Jugendlichen so hartnäckig
halten konnte. Dass Heavy Metaler hauptsächlich am Land präsent
sind, hängt mit dem Landleben – als Gegensatz zum Leben
in einer Stadt – zusammen.
Das Landleben, welches genauso wie der Heavy Metal patriarchalisch
geprägt ist (wieviel berühmte Metal-Bands gibt es, die
nur aus Frauen bestehen, wie die Marketenderinnen der Musikkapelle
dienen Frauen in einer Metal Band gemeinhin nur als Aufputz), ist
in seinen Gepflogenheiten sehr am schlichten Gemüt der Bergler
orientiert und gemeinschaftstiftende Riten halten sich hartnäckig.
Das ist die Grundlage aller Tradition. Tradition steht für
Routine, das Ewig-Gleiche, die dauernde Wiederholung von eingeübten
Riten.
Fruchtfolge
Die größte Abwechlung, die das Landleben bietet, ist
die natürliche Fruchtfolge. Um im Leben in der Natur und damit
im Kampf gegen die Natur bestehen zu können, muss man sich
auf das Wesentliche beschränken und kann sich nicht mit klomplexen
Themen, geschweige denn mit Widersprüchen, auseinander setzen.
Die Reduktion der Komplexität des Lebens am Land verhält
sich kongruent mit der Reduktion der Komplexität im Heavy Metal.
Heavy Metal beschränkt sich auch nur auf ein paar zentrale
Punkte, von denen einige, wie der Alkoholkonsum und die Gemeinschaftspflege
(Männer-Gruppenbildung), dieselben wie im Dorfleben sind.
Womit wir zu Punkt zwei kommen:
Metaler in der örtlichen Musikkapelle. Im Prinzip ist die Metalband,
egal ob sie nun Speed-, Trash-, Melodie-, Death-, oder was-weiß-ich-was-für-Metal
produziert, dasselbe wie eine Dorfmusikkapelle – nämlich
ein sexistischer Männerverein, in dem sich alles um die (meist
nicht allzu besonders gute) Musik, Alkoholkonsum und Sexualfragen
dreht. Einen Unterschied zur Musikkapelle gibt es allerdings: In
der Metalband kann man der ländlichen Sprache durch den Gesang
zum Ausdruck verhelfen. Der unmittelbare Kontakt mit Fäkalien
(der Misthaufen im Dorf ist ein öffentlicher) ist sprachgebend
und -prägend.
Früher, als schwarze Lederkleidung und lange Haare noch Erwachsene
provozierten, konnte man wählen: Entweder Metal-Band oder Musikkapelle.
Heute braucht man diese schwere Entscheidung nicht mehr zu treffen
(wieder ein Beispiel für die Reduktion der Komplexität).
Heute ist es nicht nur möglich, nein, es ist sogar erwünscht,
sowohl in der harten Metalband als auch in der Volksmusikkapelle
zu spielen.
Wie das möglich wurde? Durch den schleichenden Prozess der
Integration. War vor 30 Jahren Heavy Metal noch etwas Neues, vor
dem man sich, wie vor allem Neuen auf dem Lande, fürchten musste,
so hat der Landbewohner heute die Ähnlichkeiten zwischen seinen
Ansichten und denen der Metaler längst entdeckt. Er ist quasi
vertraut mit dem Gehabe und hat – wie, ist mir zwar unklar
– entdeckt, dass zwar die Form der Metaler anders sein mag,
die Aussage aber die gleiche bleibt.
Zum Beispiel der oft bemühte Hass der Metaler auf die »frommen
Christen« ist nur die Mutation des ländlichen Ausländerhasses
nach Innen. Sprich, das Metaler-Zitat »Man sollte alle Christen
kreuzigen« heißt übersetzt – da Hass universell
anwendbar ist – nichts anderes als: »Ausländer
raus.«
Dass viele Metaler selbst römisch-katholisch sind und in die
Kirche gehen, steht dazu nicht im Widerspruch.
So ist die Rebellion eine konformistische und damit ein wichtiger
Schritt zum Eintritt ins Dorfgasthaus geworden.
Also auch Heavy Metal zeigt uns: viel öfter prägen die
Umstände das Denken, als das Denken die Umstände.
Je größer nun die Zahl der Heavy Metaler sein wird, die
mich jetzt verprügeln wollen, desto mehr bestätigt werde
ich mich fühlen.
Ürigens, einige meiner besten
Freunde sind Metaler.
Danke und gute Nacht! |
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Luftkrieg
beim Lungenarzt oder
die Gegenwart der Vergangenheit |
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Herr Fuchs
Donnerstag Nachmittag, Herr Fuchs verlässt sein Büro,
um zum Lungenarzt zu gehen. Er ist Steuerberater und hat seit einiger
Zeit Probleme mit der Lunge.
»80 Jahre lang war ich gesund, ich muss mich erst ans Kranksein
gewöhnen.«, sagt er immer wieder. Auf dem Weg zur Praxis
des Lungenarztes seines Vertrauens raucht er noch schnell drei Hobby.
»60 Jahre lang habe ich geraucht, da schadet die eine mehr
auch nicht.«, sagt er.
Nun ist er endlich beim Lungenarzt angekommen. Bevor er sich ins
Wartezimmer begibt, rückt er noch seine tannengrüne Krawatte
zurecht. Er öffnet die Tür und lässt die Augen hinter
seinen uralten Brillen durch den Raum schweifen: »Diese Brille
habe ich schon damals bei der Wehrmacht gehabt. Die hat den Tod
einiger Russen zu verantworten.«, lautet eine seiner Lieblingsanekdoten.
Der einzige Platz, der noch frei ist, ist der neben einem Busfahrer
aus Serbien. Dort lässt sich Herr Fuchs nieder und beginnt
den Busfahrer zu beobachten. Dieser liest gerade eine Filmbesprechung
des Films »Der Untergang« in einer News-Ausgabe.
Da sagt Herr Fuchs:»Nein, dieser Hitler! Ein Verbrecher war
er! Acht Tage bevor er Selbstmord beging, hat er seinen Schwager
töten lassen. Seinen eigenen Schwager! Und auch seinen besten
Freund, Röhm, hat er umbringen lassen. Unfähig war er
auch! Wir hätten, nachdem Frankreich besiegt war, gleich England
angreifen sollen, stattdessen haben wir einen Krieg geführt
mit einer Front vom Nordpol bis nach Afrika! Woher kommen Sie eigentlich?«
Der Busfahrer sagt ihm, er sei aus Serbien und schon fängt
Herr Fuchs wieder an:»Nein, dieser Tito! Das war ein anständiger
Diktator! Sowas bräuchte man einmal wieder. Demokratie funktioniert
ja auch nicht. Schauen Sie nur Amerika an. Wirklich ein anständiger
Kerl, dieser Tito und dem Göring hat er so ähnlich geschaut.
Wissen Sie, ich habe ja in meinem Leben nur zwei Arten von Menschen
getroffen – anständige und feige. Sogar Neger können
anständig sein.« Der Busfahrer nickt.
Plötzlich geht die Tür zum Lungenröntgen-Raum auf.
Hereingebeten wird eine junge Frau und die Arztassistentin fordert
sie auf, ihren Oberkörper frei zu machen. Als ob es sein Stichwort
gewesen wäre, sagt Herr Fuchs zum Busfahrer: »Wollen
Sie der Dame nicht dabei helfen?«, und beginnt zu lachen.
Aus dem anfänglichen Lachen wird bald ein Husten schlimmster
Art.
Da beginnt er wieder: »Wissen Sie, 80 Jahre lang war ich
nie krank, deswegen muss ich mich daran erst gewöhnen. Ja,
ja, die Nazis waren zwar Schweine, aber sie haben uns zu Kampfmaschinen
ausgebildet. Berühren Sie einmal meinen Unteram!« Er
hält dem Busfahrer seinen Unterarm hin, der ihn ganz beeindruckt
berührt.
Da fährt Herr Fuchs fort mit seinen Ausführungen: »Und
wissen Sie, was es unterm Führer auch nicht gegeben hat? Kriminalität!
Im Rapoldipark wär der Führer an einem Vormittag fertig!«
Da sieht er einen Jugendlichen, der offensichtlich mit seinem Discman
Musik hört. Das gibt ihm Anlass zu neuerlichen Ausführungen:
»Die Jugend von heute hört auch nur mehr diese Negermusik.
Die einzig wahre Musik ist Wagner!«
Da wird sein Name aufgerufen und er schlurft aus dem Wartezimmer.
Nachdem er jenes verlassen hat, atmen alle anderen Besucher auf
und der Busfahrer denkt: »Toller Kerl.« |
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Die typische österreichische Kleinfamilie |
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Die typische österreichische Kleinfamilie besteht
in unserem Fall aus vier Personen: Karl, Marina und den Kindern Pamela,
10 und Josef Maria, 15.
Karl, der sich für liebenswert und gebildet hält, ist der
Mann im Hause. Er hat die Hosen an. Auch wenn er unter jenen manchmal
gerne die Unterwäsche seiner Frau trägt, bedeutet das für
ihn, dass er der herrschende und seine Frau der gebende Teil ist.
In der Realität heißt das: Sobald Karl nach Hause kommt,
muss das Essen auf dem Tisch stehen und Marina hat ihm, wenn er sich
seine Pornos ansieht, sein Bier zu bringen.
Marina, die sich für sympathisch und kultiviert hält, ist
das Heimchen am Herd, die es gern in Kauf nimmt, Karl, als Preis für
ein Einfamilienhaus und ihre eigene Kreditkarte, Bier zu bringen und
das Essen zu kochen (Karl hat seinen aktiven, sexuellen Trieb schon
vor Jahren durch übermäßigen Bierkonsum verloren).
Ansonsten verbringt sie 18 Stunden am Tag im Haus. Dort kümmert
sie sich aufopferungsbereit um den Haushalt (Pflanzen abstauben…)
und um die Erziehung der Kinder.
Ob am Spielplatz (»Pamela, musst brunzen!?!«), im Supermarkt
(»Schnauze du Gfraster!«) oder auch zu Hause (»Wenn
ich nocheinmal hinter dir herputzen muss, dann hagelts Watschen«).
Ja, ja, die guten Kinder.
Fangen wir der Fairness halber bei Pamela an: Die kleine Pamela ist
leicht übergewichtig, sprich, sie hat ihre eigenen Knie lange
nicht mehr gesehen.
Dank mangelhafter Ausbildung in der Dorfvolksschule und dicker Backen
hat sie leichte Probleme einen geraden Satz herauszubringen.
Schließlich, last but not least, Josef Maria, der mitten in
der Pubertät steckende Sohn.
Er hört gerne Gothic und Hansi Hinterseer. Auch er hat Dank massiven
Drahtverhaus um die Zähne Probleme sich verbal zu artikulieren.
Karl und Marina streiten sich oft mit ihrem Sohn, z.Bsp. wenn er wiedereinmal
zu laut Musik hört, die Nacht auf einem Friedhof verbringt oder
sagt: »Nur Dunkelheit und Verdammnis umgeben mich!«
Womit er teilweise Recht hat. Er bleibt den ganzen Tag in seinem verdunkelten
Zimmer und mit diesen Eltern leben ist wirklich die Verdammnis.
Bis zum nächsten Mal, bei dem sie mehr über den Alltag der
typischen Kleinfamilie erfahren werden.
Ein herzliches »Marina, hol mir noch ein Bier!?!« an Alle. |
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Peeping Hubsi |
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Montag Nachmittag.
Er schreitet den Gang entlang.
Schlecht gelaunt schlüpft er in sein Kämmerchen, das sein
ganz persönlicher Kosmos ist, ausgestattet ist mit anrüchigen
Postern aus eindeutig zweideutigen Publikationen. Sein eleganter
grau-pinker Jogger – eine Art Berufskleidung – ist auch
dabei.
Unter dem penetranten Dröhnen des 1000-Watt-Föhns betritt
er die Kabine und richtet gleich ein paar nette Worte an seine Untergebenen,
denen er droht, sie zur obersten Instanz zu schicken, wenn sie seinen
wunderbaren Föhn noch einmal einschalten würden.
Nach seinem Vortrag über Geld, Licht, Föhn und Verantwortung
öffnet er seinen Schützlingen das Tor zu den heiligen
Turnhallen.
Dort befiehlt er, Mannschaften zu bilden für seine lustigen
Spiele. Sobald seinen Befehlen Folge geleistet wurde, macht er sich
in Richtung »andere« Halle auf, um dort kurz, aber intensiv
»zu reden«. Wie er sich entfernt kann man förmlich
den sich in seinen Mundwinkeln bildenden Sabber tropfen hören.
Als er genug »geredet« hat, kehrt er mit sichtlich befriedigtem
Gesichtsausdruck zurück, um nun auch seine anderen Triebe zu
befriedigen. Er sieht zu wie Zähne brechen, Knochen knacken,
Brillen zersplittern und Blut spritzt.
Angesprochen auf seine von Faszination getragene Untätigkeit
bei dieser Gewaltorgie meint er lapidar: »Ich kann ja nicht
dauernd pfeifen.«
Endlich ist auch diese Seite seiner Persönlichkeit befriedigt
und er zieht sich zurück, um sich seines Joggers zu entledigen.
Er entlässt seine Opfer und richtet seine Schritte heimwärts
zu Frau und Kind.
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Ingrid`s Supa Sounz |
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Hey Leute! Seid Ihr taub
wie Beethoven oder wollt Ihr einen Radiosender der ccchipp, frecch
und ccchlian ist?
Dann poliert die Boxen, ölt die Soundanlage, schließt
die Verstärker an und schaltet euren Tuner auf Ingrid`s Supa
Sounz OneOFive.
ISS OneOFive, der Sender auf dem nicht nur alte Hits überleben,
sondern auch ebensolche ModeratorInnen.
Auf ISS OneOFive bekommt ihr das, was ihr verdient! Hippe Moderationen,
gute Unterhaltung, neueste Infos und älteste Stars wie Simon
und Garfunkel, Reinhard May (Van Bustel), Fan Halen, El-Fis, Da
Beaddlles, Dope Marley, Sting – the Rainforrest Gump –
kurz das Neueste vom Neuen – nur Nico Ono hat Senderverbot!
Aufgelockert wird das spröde Programm durch hot top News über
Themen wie Tonsysteme oder Tiatonix.
Das alles wird präsentiert von der hippig, flippigen Moderatorin
Ingrid – das urige Original oder doch das orige Urginal?
ISS OneOFive bietet aber auch interaktive Shows wie »SMÜ
bei dir«! Barbara Stökkl kann einpacken.
Ein echter Renner wird auch »Kummerkasten live«. Ein
frisch promovierter Anrufer wartet jetzt schon in der Leitung, die
Schuhe hat er bereits ausgezogen!
Ein Klasse-Sender. Schaut doch vorbei in Ingrids Sendesaal im 1.
Stock – ihre Liebe zur Musickhh khheeps her truckkhhing auf
105,88 fm.
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einer der
Kitsch mit Lyrik verwechserlt |
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Lieber Berny,
Ich habe einige brennend heiße
Fragen an dich.
Warum quälst du mich?
Warum quälst du mich mit diesen unbeschreiblich fürchterlichen
Grönemeyer-Lyrics?
Warum verwechselst du Kitsch
mit Metaphern?
Seit du mir mit Grönemeyers Musik und vor allem mit seinen Texten
gezeigt hast, was Terror ist, kann ich nur schwer Schlaf finden.
Jeden Abend wird mir von der teigig blonden Fratze und der lyrisch
quäckenden Stimme des Herbert G. der Schlaf geraubt.
Also warum quälst du mich so?
Fließt das Leben nicht auch rot
in meinen Venen?
Bin ich keine gute Prognose?
Brauche ich nicht auch einen siebten Sinn, einen doppelten Boden,
ein zweites Gesicht?
Bin ich nur metaphorisch Mensch, so wie du, lieber Bernhard, wie Herbert
G.?
Womit hab’ ich das verdient?
Es hat alles so gut angefangen.
In dich, ein vielversprechendes neues Gesicht, legten wir unsere Hoffnungen.
Doch du hast es geschafft, zum Beiwagerl Berny zu verkommen.
Wenn du deinen Ruf retten willst, dann hol uns aus dem grauen Tal
der Tränen, serviere uns ein wunderbares Schuljahr auf einem
goldenen Tablett und lass alle Wunder auf einmal geschehen.
Zum Schluss noch d i e Frage an dich, Herbert G. und alle, die das
lesen: Wie viel Sinne hat der Unsinn? |
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manie – NG |
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Freitag Abend – geschafft von einem
anstrengenden Tag – will ich das Unmögliche: Entspannen
vor dem Fernseher.
Ich schalte ein und schon sehe ich den »affektiven Extremzustand,
der besonders gekennzeichnet ist durch grundlose, übertriebene
Heiterkeit, übersteigerten Betätigungsdrang und Selbstüberschätzung«
(Definition von Manie im Brockhaus).
Welche Charaktermaske des Fernsehterrors präsentiert mir das?
Es ist die Talkshowqueen herself, die mit dem breiten Lächeln
und dem schlechten Geschmack.
Ich überlege, was mag wohl passiert sein? Verrat? Putsch? Terror?
Krieg?
Nein, viel schlimmer…
Es war doch die neue Staffel der Sendung, die es dem pubertierenden
musikalischen Auswurf der Nation ermöglicht, fiepend über
die Bühne zu hüpfen und dabei Popsongs in den Schmutz zu
ziehen.
Ich will das Gerät abschalten, um der Folter zu entgehen, doch
dabei überkommt mich die Faszination des Grauens. Den Fernseher
lasse ich an und warte darauf, dass sich die Kandidaten bei mir einschleimen.
Und schon beräue ich meine Entscheidung.
Susi erzählt mir in bemühtem Hochdeutsch, dass sie im »Hotel
Mamma« wohne und es dort sehr gemütlich finde (das erklärt
natürlich ihren Zustand).
Als mir dann Fendrich Juhnioor auftischt, wie naturverbunden und normal
er sei – obwohl er ja nicht vor 12:00 aus dem Bett komme und
»wirglich« nicht ohne seinen Pool leben könne, siegt
der Körper über den schwachen Geist – ich muß
mich übergeben.
Als ich wieder in der Lage bin, einen Blick auf den Bildschirm zu
werfen, steht eine alte Frau dort und singt ein Lied über Mexiko.
In diesem Augenblick schwöre ich mir, kein österreichisches
Fernsehen mehr am Freitag Abend bis der Terror vorbei ist. |
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Eigentlich immer: Herfrieds
Gourmetinsel |
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Was ist der kulinarische Höhepunkt
eines Schultages? Genau!
Ein Besuch bei Herfrieds Gourmetbudel.
Welchen Gaumen schmeichelt nicht das schweißig, salzige Aroma
der Nussschnecke?
Oder das wunderbare Gefühl, wenn einen die mit undefinierbaren
Flüssigkeiten triefende Wurstsemmel auf der Zunge zergeht?
Oder die wundervollen, brühwarmen Säfte, deren Ursprung
im Dunkeln liegt?
Es gibt wohl keinen, der diese kleinen Freuden des Lebens kennt
und liebt. Doch auf Herfrieds Gourmetinsel erwartet Sie mehr als
gutes Essen – oh nein – es erwartet Sie auch noch
freundliche Bedienung durch die stets gut gelaunte Mrs Finger, die
dem Chef in Toleranz, Großherzigkeit und gepflegtem Auftreten
durch nichts nachsteht.
Auch die Sauberkeit ist herausragend, Schmutz muss man schon mit
der Lupe suchen.
Kurz zusammengefasst: Herfrieds Wohlfühlinsel besticht nicht
nur durch das einladende Ambiente, sondern auch durch rundum nette
Bedienung und freundliche Bedienung.
Die Preise sind tief, das Niveau ist gehoben – oder wars
umgekehrt?
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Im August: RI-Carbonat |
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Das neu entdeckte chemische Element
RI RI-Carbonat ist äußerst giftig und der Kontakt
mit ihm unbedingt zu vermeiden!
Es droht Explosionsgefahr!
17 von 21 wurden schon frühzeitig gewarnt!
Gewinnung
RI-Carbonat fällt überwiegend als Nebenprodukt pädagogischer
Experimente an.
Verwendung
Eignet sich für die Herstellung von hochgiftigen Stoffen
und
Sprengstoffen aller Art.
RI-Carbonatverbindungen werden gerne wegen ihrer typisch giftgrünen
Farbe in Anstalten als Pigmente verwendet.
Wegen ihrer Toxizität und dem extrem niedrigen Siedepunkt hat
man inzwischen
auf RI-Carbonatpigmente in sehr vielen Anstalten fast vollständig
verzichtet.
Als Stabilisatoren in konservativen Anstalten wird RI-Carbonatsulfat,
zwar in geringerem Ausmaß, aber immer noch viel zu häufig,
eingesetzt, da es als Korrosionsschutz der Eisen- und Stahlfraktion
nach wie vor große Bedeutung hat.
Vorkommen
Tritt vereinzelt in Erscheinung. |
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